Sa 26 Mai 2007
…dass ich nur zum Spass radle. Wenn ich keine Lust, mich aufs Rad zu setzen, dann lasse ich es eben. Wenn ich merke, dass ich irgendwo nicht mithalten kann, dann lasse ich es eben. Beweisen muss ich auf dem Velo nur mir was, und sonst niemanden. Und mein Geld verdiene ich auch nicht damit.
In den letzten Tagen haben einige Profis die Hosen runtergelassen und Doping eingestanden. Spannenderweise alles Sportler vom Team Telekom, ausgelöst durch das Buch von Jef d’Hont – vielleicht zahlen die anderen Teams ihre Pfleger besser, dass die nicht zur Feder greifen müssen, um die spärliche Rente aufzubessern. Ok, bei Bjarne Riis hat das Geständnis fast nicht überrascht, aber bei Sportlern wie Bölts, Aldag und Zabel bin ich als Radsport-Fan auch persönlich ein wenig enttäuscht. Ulle, dessen überfälliges Geständnis aus nachvollziehbaren Gründen aussteht, hat sich dafür durch sein blödes Rumgeeiere selber völlig disqualifiziert. Soll er doch lieber gar nichts sagen (was angesichts des laufenden Verfahrens ja ok wäre), als immer nur zu beteuern , dass er nie jemanden betrogen hat, was ihm ja eh keiner mehr abnimmt. Frei nach Dieter Nuhr: “Einfach mal die Fresse halten.”
Als Fan hofft man jetzt wenigstens, dass der eine oder andere Fahrer (Jens Voigt vielleicht?) sauber ist, mindestens aber, dass sich die Situation im Radsport ändert und heute besser ist, als in in den 90ern war, wie Riis auf seiner Pressekonferenz gesagt hat. Denn Eindruck, das hierfür notwendige Selbstverständnis zu entwickeln, macht das Peleton nun aber leider nicht unbedingt. Fakt ist nunmal, dass Doping zum Radsport gehört, seit es ihn gibt und dass jede neue Generation von Fahrern mit Doping als etwas normalem gross wird und dieses Selbstverständnis an nachfolgende, jüngere Sportler weitergibt. Ich kann schon verstehen, wenn Stimmen laut werden, die dem Radsport jedwede Vorbildfunktion absprechen. Wer will denn bitte heute sein Kind schon im Verein Rad fahren lassen, wenn das die Perspektive ist? Zumal auch im Hobbybereich wohl zum Teil systematisch gedopt wird. Schade, ist aber wohl so. Muss der Junior dann also kicken gehen oder noch besser Dart spielen (da sollte es nun wirklich keinen EPO-Missbrauch geben).
Interessieren würde mich aber mal, wie es mit dem Doping in anderen Sportarten aussieht – wer waren denn die Sportler, die auf der Fuentes-Liste standen und nicht Radfahrer sind? Warum hört man denn von denen nie etwas? Klar, der Radsport hat ein systematisches Problem, aber nur, weil man von Leichtathleten, Fussballern und Schwimmern nix hört, heisst das ja nun wirklich nicht, dass es in diesen Sportarten unbedingt besser wäre, oder?
Ich werde auch weiter die TdF und andere Radsport-Übertragungen gucken, so wie ich derzeit den Giro verfolge. Aber mal ehrlich, es macht schon weniger Spass als früher. Und wie gesagt, ich fahre Rad, weil und wenn ich Spass daran habe. Zum Glück reicht mir das.
Juni 4th, 2007 at 19:03
Tja… Doping.
Wollte ich ja auch mal was zu schreiben, meinem Unmut Geltung verschaffen, aber irgendwie hab ich dazu keine Lust mehr. Das ist es mir irgendwie nicht mehr wert – mir ist schon seit letztem Jahr die Lust zumindest am Radsportkucken vergangen und ich befürchte, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch andere Sportarten, vielleicht bildet dann alleinig Hallenhalma die große Ausnahme, zur öffentlichen Freakshow verkommen.
Juni 5th, 2007 at 00:00
Nun, ich bin da so ein wenig hin und her gerissen. Spannend ist es natürlich immer noch, was die Renntaktik und das Zufallsmoment angeht. Aber ich mag mich nicht wirklich für eine Leistung begeistern, wenn der Athlet, der sie erbracht hat, nach seinem Ableben direkt ob seiner biochemischen Inhaltsstoffe als Sondermüll deklariert werden muss.
Schade finde ich nur, dass sich das negative Image auch auf den Breitensport überträgt und es auch schwerer werden wird, für Jedermann-Veranstaltungen Sponsoren zu finden.
Und zu allem Übel sieht es ja so aus, als wäre das alles nur in “good old Germany” ein Thema und sonst kein Hahn danach krähen würde. Zumindest nicht mehr als enmal ganz kurz und verhalten. Strassen-Radsport ist zu 90% ein europäischer Sport, die wichtigsten Rundfahrten, die Klassiker und Halbklassiker und die WM finden in Europa statt, aber es gibt kein paneuropäisches Anti-Doping-Konzept. Ohne das wird man aber dem Doping in einer Sportart, in der ein deutscher Fahrer (mit italienischem Trainer, belgischem Betreuer, polnischem Drogenkurier und Wohnsitz in der Schweiz) für ein spanisches Team in Frankreich Rennen bestreitet (man kann die Ländernamen auch beliebig durchwechseln, ohne die Situation zu verändern) kaum stoppen können.
Ist halt so.